Wald im Farbwechsel

Kalender · zwölf Wetter, ein Gelände

Hochsaison ist ein Preis. Keine Qualität.

Österreich hat Monate, in denen die Landschaft arbeitet und die Gäste fehlen. Das sind unsere Buchungen. Unten: zwölf Zeilen, keine vier Postkarten.

JAN

Wien ist ehrlich: leere Innenstadt zwischen den Feiertagen, Museen ohne Gedränge unter der Woche. Christkindlmärkte sind im Dezember Theater; im Jänner ist die Bühne abgebaut. Schnee in den Alpen ist eine eigene Republik aus Takten. Wer nicht ski fährt, nimmt die Stadt und die tiefen Wälder, nicht den Pass ohne Ausrüstung.

FEB

Fasnacht in manchen Tälern, graues Licht in den Becken, klare Tage oben. Fasching in Wien ist Kostüm und Ball, wenn Sie das wollen – oder ein Grund, in ein Beisl zu gehen, das nichts davon hält. Kurz und dunkel. Gut zum Lesen, schlecht zum Hallstatt-Ufer ohne Jacke.

MÄR

Auftauen. Wien blüht zuerst. Die Alpen halten Schnee in den Karen. Täler können gesperrt sein, Hütten zu. Packen Sie Schichten, nicht Hoffnung. Ostern wandert durch den Kalender: Städte voll, Berge noch winterlich. Ein guter Monat für Museen und erste Heurigen, ein schlechter für Gipfelstolz.

APR

Unzuverlässig und deshalb interessant. Schnee nördlich, Wärme im Osten, Regen, der die Wälder wäscht. Die ersten Terrassen in Graz. In Tirol noch Winterreste auf Nordhängen. Wer wandern will, bleibt unter der Waldgrenze und prüft die Lageberichte wie eine Zeitung.

MAI

Einer der brauchbarsten Monate. Seen ohne August, Städte ohne Hitzezwang, Wiesen, die noch nicht gemäht wirken wie Teppiche. Hütten öffnen staffelweise. Feiertage können Bahnen füllen – unter der Woche ist das Land wieder lautloser. Hallstatt atmet.

JUN

Lange Tage, erste Gewitter, Schulschluss am Horizont. Schneefelder in der Höhe sind Kalender. Wandern früh. In Wien sitzt man draußen, bis die Hitze lernt, ernst zu sein. Ein guter Monat, zwei Felder zu verbinden, bevor der Juli die Ufer zuschließt.

JUL

Hochlicht, volle Züge in die Seen, heiße Steine in der Inneren. Siesta ist keine Schwäche. Bergbahnen voll, Forstwege leerer. Reservieren Sie Schlaf in den Köpfen: Nachmittagspause, Abend am Wasser, nicht drei Orte zwischen 10 und 16 Uhr. Schönbrunn nur sehr früh.

AUG

Dasselbe, lauter. Urlaubsrepublik. Wer kommt, braucht Uhrzeiten: Hallstatt vor acht, Steige vor der Hitze, Städte nach 17 Uhr. Oder man lässt die Magneten und nimmt Gmunden, ein steirisches Hügelhaus, einen Wiener Bezirk außerhalb der Ersten. August bestraft Eitelkeit.

SEP

Der Druck lässt nach, das Licht bleibt. Weintrauben in der Steiermark, klare Sicht in Tirol, Wasser noch warm genug in Kärnten. Schulen ziehen Familien aus manchen Hotels. Wir würden September nehmen, wenn Oktober nicht noch besser wäre.

OKT

Kupfer. Der Kompromiss, den wir selbst buchen. Weinlese, Hallstatt ohne August, Nebel in den Becken, Sonne oben. Ab Ende des Monats schließen viele Almhütten. Wer Höhe will, muss früher im Monat oder tiefer bleiben. Das beste Licht des Jahres steht oft um vier Nachmittag und dauert zwanzig Minuten. Seien Sie da.

NOV

Grau, nass, ehrlich. Wien mit Dunst. Berge im frühen Winter, ohne dass die Skirepublik schon alles takt. Allerheiligen leert manchen Ort auf eine Weise, die respektvoll ist. Gut zum Kaffeehaus, schlecht zur Postkarte. Wer Novembertage in der Steiermark verbringt, bekommt Keller und Ofen.

DEZ

Märkte als Theater: schön, wenn man sie als Theater nimmt. Danach: zwischen den Feiertagen eine leere, brauchbare Stadt. Ski als eigene Reise, nicht als Beilage zu Wien. Punsch ist kein Ortsersatz. Ein Beisl mit Gulasch sagt mehr über den Dezember als ein Glühweinstand mit Lautsprechern.

Herbst
Winter